Tauch- und Überdruckmedizin

Sowohl in der Bundeswehr als auch im zivilen Bereich gewinnt das Feld der Berufstaucher an Bedeutung. Auch steigt mit Großbauprojekten wie z.B. Stuttgart 21 die Zahl der Druckbaustellen. Dazu kommt eine jährlich steigende Zahl an Sporttauchern. Eine regelmäßige taucherärztliche Untersuchung und Beratung ist unerlässlich zur Abklärung der Tauchtauglichkeit und zum frühzeitigen Erkennen von Erkrankungen, insbesondere im Hals-Nasen-Ohrenbereich, welche zu Folgen bei der Ausübung des Tauchens bzw. bei der Ausübung von Arbeiten unter Druck führen.

Häufig teten bei Tauchern Probleme mit dem Druckausgleich auf. Dieser wird durch die Verbindung zwischen Nasen-Rachenraum und Mittelohr - der eustachischen Röhre -, sowie durch die Belüftung der Nasennebenhöhlen ermöglicht. Insbesondere bei Allergikern kann hier vor dem geplante Tauchgang Beratungsbedarf bestehen. Treten Störungen in diesem Bereich auf, ist ein problemloses Tauchen nicht mehr möglich.

Kommt es beim Abtauchen zu Schmerzen, Schwindel und/oder einer nach dem Tauchgang anhaltenden Hörminderung kann dies ein Anzeichen für ein Barotrauma sein. Ursachen sind eine krankhaft gestörte Belüftung des Mittelohres bzw. der Nasennebenhöhlen oder ein zu schnelles Abtauchen.

Besonders kritisch sind die ersten zehn Meter Tiefe, da es hier nach dem Gesetz von Boyle-Mariotte durch die Verdopplung des Druckes zu einer Halbierung des Volumens kommt. Um dies auszugleichen bedarf es eines aktiven Druckausgleichs. Ist dieser nicht möglich kommt zu einer Einwärtsbewegung des Trommelfelles bzw. einem Verschluss der Öffnung der Nasennebenhöhlen und zu den genannten Beschwerden. Die Ausprägung der kann unterschiedlich stark sein. Wichtig ist nach einem derartigen Ereignis die genaue Anamnese und Untersuchung durch einen tauchmedizinisch ausgebildteten Arzt.

Unsere Klinik bietet neben der konservativen Therapie alle Möglichkeiten der modernen Nasennebenhöhlenchirurgie, sowie mit der Tubendialatation ein modernes und schonendes Verfahen um eine gestörte Tubenfunktion zu verbessern. Hierbei wird ein Ballonkathether in den knorpeligen Anteil der eustachischen Röhre eingebracht und für die Dauer von zwei Minuten auf zehn bar Druck aufgepumt. Dadurch kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Verbesserung der Tubenfunktion.

Ein weiteres Krankheitsbild ist die sogenannte Dekompressionskrankeit. Die Ursache liegt im Gesetz von Henry begründet, welches die Abhängigkeit der in einer Flüssigkeit gelösten Gasmengen von Tiefe und Temperatur beschreibt. Neben diesen beiden spielen aber auch andere Faktoren wie z.B. die körperliche Aktivität oder das Tauchgangsprofil eine wichtige Rolle. Die uns umgebende- Luft besteht zu 78% aus Stickstoff, zu 21% aus Sauerstoff und zu 1% aus Edelgasen. Das Gesetz von Henry betrifft vor allem Inertgase wie Stickstoff, da diese nicht am Stoffwechsel unseres Körpers beteiligt sind. Mit zunehmender Tiefe erhöht sich der Druck und somit auch die Menge an gelöstem Gas im Körper.

Taucht der Taucher nach einem Tauchgang zu schnell auf treten bei ihm die gleichen Veränderungen auf, die beim zu schnellen Öffnen einer unter Druck stehenden Mineralwasserflasche auftreten. Diese Gasbläschen könne je nach Entstehungsort zu verschiedenen Krankheitsbildern führen. Kommt es zu einem Ausperlen im Bereich des Innenohres führt dies zu Schwindel Sehr ähnlich stellt sich die arterielle Gasembolie dar. Dabei gelangen Gasbläschen, durch einen angeborener Herzfehler oder ein Barotrauma der Lunge bzw. ein Lungenriss, in den arteriellen Blutkreislauf. Diese Luftblasen können dann Verschlüße in den Endarterien des Rückenmarks, des Gehirns oder auch der Herzkranzgefäße verursachen.

Die hyperbare Sauerstofftherapie, die im Falle eines Tauchunfalles notwendig ist, kann im Bundeswehrkrankenhaus Ulm in der Druckkkammer der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin durchgeführt werden. Hierbei atmet der Patient bei einem festgelegten Überdurck reinen Sauerstoff nach einem verbindlichen Schema um einerseits die Verkleinerung der Gasblasen und andererseits die verbesster Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff zu erreichen. Neben dieser Anwendung kommt der hyperbaren Sauerstofftherapie auch bei der Behandlung chronischer Wunden sowie bei Kohlenmonooxidvergiftungen eine Bedeutung zu.