Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen/Dysphagie

Der Schluckvorgang ist - wie viele andere Prozesse in unserem Körper - ein komplexer Ablauf, der meist unbewusst abläuft und nur in der ersten Phase willentlich beeinflusst werden kann. Eine Beeinträchtigung des Schluckens wird Dysphagie genannt.

In unserer videoendoskopischen Dysphagie-Sprechstunde untersuchen wir den Schluckakt, an dem insgesamt 50 Muskeln, fünf Hirnnerven und drei Halsmarknervenpaare beteiligt sind. Der Mensch schluckt im Wachszustand außerhalb der Mahlzeiten circa einmal in pro Sekunde. Der Schluckakt ist in vier Phasen aufgeteilt. Von den insgesamt 10,5 bis 22 Sekunden, die der Schluckakt dauert können wir nur eineinhalb Sekunden willentlich beeinflussen.

Kommt es zu einer Erkrankung (z.B. entzündlichen Veränderungen), Unfällen oder strukturellen Veränderungen im Hals-Nasen-Ohrenbereich (z.B. einer Aussackung der Speiseröhre oder einem Tumor), kann dies zu einer Störung des Schluckaktes führen. Je nach Ursache können die Beschwerden vorübergehend oder dauerhaft vorhanden sein. Da der Schluckakt mehrere Ebenen des Mund- und Rachenraumes sowie des Schlundes betrifft können Störungen durch verschiedenste strukturelle Veränderungen im Hals-Nasen-Ohrenbereich Schluckstörungen auftreten. Der weitaus größte Anteil tritt jedoch im Zusammenhang mit bösartigen Neubildungen im Kopf-Hals-Bereich auf.

Die Untersuchung des Schluckaktes erfolgt nach einem ausführlichen Anamnesegespräch mit einem dünnen flexiblen Endoskop am wachen Patienten. Ein flexibles Endoskop besteht aus einem von Kunststoff umhüllten flexiblen Glasfaserbündel sowie einer Kamera am Ende (chip on the tip) durch das Licht und Bild übertragen werden. Der untersuchende Arzt kann das Video auf dem externen Monitor der Untersuchungseinheit aufnehmen und beurteilen. Das Endoskop wird über die Nase in den Rachen eingeführt. Dies ermöglicht es uns den Schluckakt zu beurteilen, während der Patient in vier Schritten Nahrung verschiedener Konsistenzen zu sich nimmt.

Sollten aufgrund des erhobenen Befundes weitere Untersuchungen notwendig sein, können diese in der Regel in der Klinik für Radiologie oder der Klinik für Innere Medizin des Bundeswehrkrankenhauses durchgeführt werden. Solche Untersuchungen können z.B. eine videofluoroskopische Untersuchung des Schluckaktes oder eine Magenspiegelung sein.

Bei den therapeutischen Möglichkeiten unterscheidet man grundsätzlich eine Basisversorgung, bei der die Ernährungssituation und der Atemwegschutz im Vordergrund stehen, von einer funktionellen Schlucktherapie. Letztere hat das Ziel der Schluckrehabilitaiton und kann ergänzend durch Medikamente und chirurgische Verfahren unterstützt werden. Durch eine enge Kooperation mit Logopäden in der Region kann bereits während Ihres stationären Aufenthaltes mit der Basistherapie und den ersten Schritten der funktionellen Schlucktherapie begonnen werden.