Hernienchirurgie

Eine enorme Weiterentwicklung hat in den letzten Jahren bei der Versorgung von Bauchwandbrüchen, Leisten- und Nabelbrüchen, sowie der Zwerchfellbrüche stattgefunden. Um dem gerecht werden zu können, findet derzeit die Zertifizierung zum Hernienzentrum statt.

Für eine ausführliche Beratung wurde die Herniensprechstunde Mittwoch 09:00-12:00 Uhr eingerichtet.

Leistenbruch, Nabelbruch, Narbenbruch, Bauchdeckenbruch - Individuelle und maßgeschneiderte Lösung für Ihre Erkrankung

In der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Bundeswehrkrankenhaus Ulm werden jährlich mehrere Hundert Hernien erfolgreich therapiert. Hier können verschiedene sichere und risikoarme Verfahren mit und ohne Netzversorgung, individuell auf Ihre Erkrankung angepasst, angeboten werden. In Abwägung Ihres Risikoprofils können wir Ihnen eine Versorgung in einer offenen chirurgischen Technik als auch in minimalinvasiver Technik bieten.

Eine umfassende Diagnostik zur Klärung der Notwendigkeit einer Operation wird durch unsere Klinik in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie und Neuroradiologie sichergestellt, so dass hier Hand-in-Hand die optimale Versorgung Ihrer Hernie sichergestellt werden kann.

Durch moderne Operationsmethoden als auch durch eine individuell angepasste Schmerztherapie in Kooperation mit der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie ist es möglich, Sie schnell wieder nach erfolgter operativer Versorgung aus der Klinik zu entlassen.

Eine der häufigsten Erkrankungen weltweit stellen die Leistenbrüche dar. Mehr als 250.000 Leistenbruchoperationen werden alleine pro Jahr in Deutschland durchgeführt. Insbesondere Männer sind hier betroffen, da man davon ausgeht, dass etwa jeder 5te Mann im Laufe seines Lebens einen Leistenbruch entwickelt. Der Leistenbruch, der ebenfalls bei der Frau auftreten kann, ist entweder angeboren oder erworben und kann auch beidseits auftreten. Gerade der erworbene Leistenbruch entsteht auf Grund einer Schwäche der Bauchmuskulatur im Bereich der Leistengegend. Übergewicht, Lebensalter und Nikotinabusus stellen hierfür eine Ursache dar. Aber auch Druckerhöhung im Bauchraum wie bei chronischer Bronchitis, Prostatavergrößerung als auch Schwangerschaften können Auslöser für einen Leistenbruch darstellen.

Oft kommt es beim Leistenbruch zu einer typischen Vorwölbung unterschiedlicher Größe in der Leistenregion, welche sich durch Druck wieder reponieren (zurückdrücken) lässt. Schmerzen bei Belastung, aber auch beim Sitzen und längerem Stehen können auftreten. Der Schmerzcharakter wird hier oft als ziehend, brennend und stechend mit Ausstrahlung in Richtung Hoden und Oberschenkelinnenseite beschrieben.

Um die Diagnose zu sichern muss eine eingehende Untersuchung sowie Diagnostik durchgeführt werden. Durch den Einsatz von Ultraschalluntersuchung und ggf. Kernspinuntersuchung (MRT) kann die diagnostische Genauigkeit optimiert werden und ein individuelles Behandlungskonzept für Sie festgelegt werden.

In Abhängigkeit des vorliegenden Befundes kann der Leistenbruch auf unterschiedliche Weise operativ versorgt werden. Auch eine konservative Behandlung ist in ausgewählten Fällen möglich.

In unserer Klinik kommen folgende Verfahren zur Reparation des Leistenbruchs zum Einsatz:

  • Minimalinvasive endoskopische Versorgung in TAPP-Technik mit Netz
  • Offene Hernioplastik nach Shouldice (ohne Netzversorgung)
  • Offene Hernioplastik nach Lichtenstein (mit Netzversorgung)

Der Nabelbruch (Umbilikalhernie) tritt häufig direkt nach der Geburt durch eine unvollständige Ausbildung der Bauchwand am Bauchnabel auf. Durch diese Lücke kann es dazu kommen, dass Darm oder Teile von Organen aus der Bauchhöhle in den Bruchsack durchtreten.

Bei erworbenen Nabelbrüchen beim Erwachsenen liegt meist eine Druckerhöhung in der Bauchhöhle zu Grunde, welche durch Übergewicht, Bauchwassersucht (Aszites) und Schwangerschaften, aber auch durch Verstopfung und erschwerten Stuhlgang auftreten kann.

Häufig kommt es zu keinerlei Beschwerdesymptomatik durch den Nabelbruch und wird als Zufallsbefund entdeckt. Es kann aber auch zu einer deutlichen Schwellung im Bereich des Nabels kommen und in Abhängigkeit vom Bruchsackinhalt kann es jedoch durch Abklemmen der Darmpassage zu einem Darmverschluss kommen. Dies muss umgehend notfällig chirurgisch versorgt werden. Zumeist kommt es beim Nabelbruch jedoch nur zu unspezifischen Beschwerden, wie gelegentliches Ziehen und Stechen in der Nabelregion.

Der Nachweis eines Nabelbruchs kann in der Regel durch eine eingehende klinische Untersuchung sichergestellt werden. In unserer Klinik führen wir regelhaft eine sonographische Untersuchung zur Sicherung der Diagnose durch. Es ist auch möglich zur genauen Größenbestimmung der Bruchpforte und des Bruchsackinhalts eine Computertomographie in ausgewählten Fällen durchzuführen.

Eine operative Versorgung wird dann patientenangepasst in Abhängigkeit der Bruchpfortengröße durchgeführt. Hier kann zwischen offenem oder laparoskopischem Zugang mit oder ohne Netzversorgung unterschieden werden. Die Entscheidung zur Netzimplantation wird hier individuell aufgrund Bruchpfortengröße, Adipositas und spezifischen Risikofaktoren getroffen. Bei kleinen Fasziendefekten kleiner als 1,5cm stellt ein Nahtverfahren ohne Netz eine sichere Technik dar. Bei größeren Defekten favorisieren wir die Implantation eines Netzes zur Bauchwandverstärkung, welches minimalinvasiv laparoskopisch oder offen chirurgisch eingebracht werden kann.

Ein Narbenbruch kann durch eine vorangegangene Operation am Bauch entstehen. Hier kommt es zu einem Defekt der vorderen Bauchwand, indem die narbigen Faszienränder auseinanderweichen, so dass die Bauchhöhle nur noch durch eine ausgedünnte Haut und Weichteilgewebe gedeckt wird. Fast jeder fünfte Patient nach einem Baucheingriff kann einen solchen Defekt mit Vorwölbung im Bereich der alten Operationsnarbe entwickeln, so dass der Narbenbruch zu einer der häufigsten Komplikationen der Bauchchirurgie zählt. Auch nach minimalinvasiven Verfahren kann es zu dieser Art von Narbenhernie kommen und wird dann als Trokarhernie bezeichnet. Die Ursachen zur Entwicklung einer Narbenhernie sind neben chirurgisch-technischen Faktoren auch patientenabhängige biologische Faktoren.

Die Symptome sind abhängig von der Größe der Bruchpforte und können bei kleinen Defekten sogar fehlen. Häufig leiden Patienten unter einem Einklemmungsgefühl. Je nach Ausmaß der Narbenhernie kann diese auch für den Patienten kosmetisch störend sein. Wenn es zu einer Einklemmung von z.B. Darmschlingen kommt, kann es zu einer gestörten Darmpassage bis hin zum Darmverschluss kommen, welcher eine Notfallindiktion zur unmittelbaren chirurgischen Versorgung darstellt.

Die Narbenhernie kann bereits durch eine eingehende klinische Untersuchung nachgewiesen werden. Häufig lässt sich die Bruchpforte im Liegen tasten und auch ein Zurückdrücken der Bruchgeschwulst ist zumeist problemlos möglich. Zur Diagnosesicherung wird in unserer Klinik eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, in welcher die Größenbestimmung der Hernie möglich ist. Zur erweiterten Diagnostik werden wir bei ausgewählten Patienten eine Computertomographie durchführen um auch kleinere Narbenbrüche zu erfassen. So ist es möglich patientenindividuell eine maßgeschneiderte Versorgung sicherzustellen.

Ziel der operativen Versorgung ist die Wiederherstellung der physiologischen Bauchwandanatomie unter Rückverlagerung des Bruchinhalts zurück in die Bauchhöhle mit dauerhaften Verschluss des Defektes. Um dieses Ziel zu erreichen stehen können wir in unserer Klinik verschiedene Verfahren anbieten, welche eine optimale Versorgung abgestimmt auf den Patienten gewährleisten.

Nur in Ausnahmefällen bei kleinen Hernien kommt eine Versorgung mittels offenem Nahtverfahren zum Einsatz, da ein Wiederauftreten von Narbenhernien in >50% der Fälle zu beobachten ist.

Somit werden in der Regel die Narbenbrüche in unserer Klinik abgestimmt auf den Patienten mit einem Netz versorgt. Hier können wir sowohl nicht-resorbierbare Netze als auch langzeitresorbierbare Netze oder biologische Netze zur Versorgung anbieten. Es können folgende unterschiedliche anatomische Netzpositionen und operative Zugangswege unterschieden werden.

  • Laparoskopische Versorgung mittels intraperitonealem Onlay-Mesh (Lap IPOM)
  • Offen Versorgung mittels intraperitonealem Onlay-Mesh (offenes IPOM)
  • Minimal/Less Open Sublay Versorgung (MILOS)
  • Laparoskopische Sublay Versorgung (EMILOS)
  • Offene Versorgung Onlay
Quelle (Dtsch. Arztebl. 2016; 113(19): A-926 / B-785 / C-769)

 

Diesen Verfahren ist gemeinsam, dass wir ein gut verträgliches Netz implantieren. Die Wahl des einzelnen Verfahrens ist vom Patienten abhängig. Wenn möglich wird das Netz außerhalb der Bauchdecke platziert (extraperitoneale Netzposition) um eine mögliche Netz-assoziierte Fremdkörperreaktion durch das Netz in der Bauchhöhle zu vermeiden.

Bei dem epigastrischen Bauchdeckenbruch besteht typischerweise eine Defekt der Faszie in der Mittellinie zwischen Brustbein und dem Nabel. Diese Region wird als Epigastrium bezeichnet. Hierbei kommt es zu einer Lücke in der Linea alba (Mittellinie) zwischen den beiden geraden Bauchmuskeln (Rektusmuskulatur). Diese Defekte können angeboren sein, beim Erwachsenen handelt es sich jedoch zumeist um erworbene Hernien. Ursächlich hierfür ist eine Druckerhöhung in der Bauchhöhle, wie sie beispielsweise bei Übergewicht, Bauchwassersucht und Schwangerschaften auftreten kann. Aber auch durch das Pressen bei erschwertem Stuhlgang bei Verstopfung kann es zu einer epigastrischen Hernie kommen. Davon abzugrenzen ist die Rektusdiastase bei der ebenfalls es zum Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskulatur kommt. Hier aber keine Bruchlücke vorliegt und somit es keine Operationsindikation besteht. Bei größer werdender Rektusdiastase kann es zu Rückenbeschwerden kommen. Meist werden diese durch plastische Chirurgen operiert, die diese Operation nur für Selbstzahler durchführen und auch nicht die üblichen Standards der Hernienchirurgie verwenden. Da meist die Rektusdiastase mit einer Nabelhernie oder einer epigastrischen Hernie vorliegt, können wir im Rahmen der Nabelhernien bzw. epigastrischen Bruchversorgung die Rektusdiastase versorgen, um auch hier für stabile Verhältnisse zu sorgen. Da eine Rektusdiastase meist bei Frauen nach Schwangerschaft auftreten, sollte die Familienplanung abgeschlossen sein bevor eine Versorgung der Rektusdiastase in Frage kommt.

Bereits in der eingehenden klinischen Untersuchung kann durch Inspektion und Tasten der Nachweis der epigastrischen Hernie erbracht werden. In unserer Klinik wird dann zur Größenbestimmung obligat eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Ergänzend kann in ausgewählten Fällen einer Computertomographie zur erweiterten Diagnostik erfolgen. Auf diese Weise ist es möglich Größe des Defektes und Inhalt der Bruchgeschwulst sicher festzustellen. Dadurch kann dann patientenindividuell die optimale operative Versorgung festgelegt werden.

Bei kleinen Defekten der Bauchwand bis 1,5cm stellt die Versorgung mittels Nahtverfahren ein sicheres Verfahren dar, insofern keine weiteren Risiken wie z.B. Übergewicht beim Patienten bestehen. Bei Patienten mit zusätzlichen Risikoprofil und bei Defekten >1,5cm empfehlen wir die Versorgung der Hernie mittels zusätzlicher Netzverstärkung. Hier können wir in unserer Klinik vollumfänglich die modernen Verfahren zur Versorgung einer epigastrischen Hernie anbieten. In Abhängigkeit vom Befund und Patientenindividuell kommen hier die folgenden Verfahren zum Einsatz.

  • Laparoskopische Versorgung mittels intraperitonealem Onlay-Mesh (Lap IPOM)
  • Offen Versorgung mittels intraperitonealem Onlay-Mesh (offenes IPOM)
  • Minimal/Less Open Sublay Versorgung (MILOS)
  • Laparoskopische Sublay Versorgung (EMILOS)
  • Offene Versorgung Onlay

Ziel der operativen Versorgung ist die Wiederherstellung der physiologischen Bauchwandanatomie unter Rückverlagerung des Bruchinhalts zurück in die Bauchhöhle mit dauerhaften Verschluss des Defektes.

Sollten Sie oder Ihr Hausarzt den Verdacht auf eine Hernie haben, vereinbaren Sie einen Termin in unserer Hernienspezialsprechstunde. Bitte bringen Sie eventuelle Vorbefunde wie z.B. alte OP-Berichte oder Befunde von extern durchgeführten Untersuchungen mit.

Wir werden mit Ihnen ein ausführliches Anamnesegespräch führen, eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen und notwendige Diagnostik veranlassen. Sollte sich daraufhin die Indikation zur Operation ergeben, werden uns ausführlich Zeit nehmen das optimale Operationsverfahren für Sie festzulegen. In Rücksprache mit Ihnen legen wir anschließend den Operationstermin fest.

Ihre Ansprechpartner

Oberfeldarzt
Dr. med. Christian Claussnitzer

Oberarzt

Leiter Hernienchirurgie

0731-1710-33104 oder 1221

Oberfeldarzt
Matthias Zieringer

Facharzt